Maare-Pfad in der Vulkaneifel – Pulvermaar bis Lutzerath

Sieben Maare auf einen Streich! Ein Streich stimmt nicht ganz, man braucht zwei Tage. Die haben es aber in sich. Weltklassestart am Schalkenmehrener Maar. Zum Glockengießer nach Brockscheid, das Hitsche Maar, ein verwunschenes Trockenmaar, das Dürre Maar und das Holzmaar – der erste Wandertag glüht vor Höhepunkten.

So beschreibt die Seite des Eifelsteig den Maare-Pfad, einen Partnerweg des Eifelsteig. Was ist dran an dieser eher euphorischen Beschreibung? Als jemand, der im Land der Maare und Vulkane oft und gerne unterwegs ist, überzeugte ich mich dann doch mal selbst.

Den ersten Teil von Schalkenmehren zum Pulvermaar ging ich Mitte Juni. Nach langer Regenphase war es nun Zeit, die zweite Etappe vom Pulvermaar nach Lutzerath zu erwandern. Gleich vorab: Für mich ist die zweite Etappe die schönere der beiden Tagestouren.

Die Etappe 2 des Maare-Pfad startet am Pulvermaar

Startpunkt der zweiten Etappe ist das Feriendorf Pulvermaar, in dem ich auch die erste Etappe beendete. Das Pulvermaar ist das Bilderbuch-Maar der Vulkaneifel und deshalb streife ich es nicht nur, sondern bewandere ich es auf den Wegabschnitten, die für mich die schönsten am Maar sind. Im Feriendorf selbst werden jede Menge Informationen über die Vulkaneifel vorgehalten, die zum großen Teil kostenlos erhältlich sind. Info-Tafeln runden das Bild einer umfassenden Tourist-Information für Wanderer, Biker und erlebnishungrige Besucher der Vulkaneifel ab.

Vom Feriendorf führt ein steiler Pfad direkt zum Pulvermaar hinab. Der Rundweg um das Pulvermaar ist ein beliebter, ca 2 km langer ‚Spazierweg‘ um das Maar, deshalb verlasse ich bei der ersten Gelegenheit den Rundweg und steige über einen kaum frequentierten Weg in den Maarhang. Damit verlasse ich allerdings den Maare-Pfad und gehe ein kurzes Stück eine eigene Route, die ich allerdings sehr empfehle, vermeidet sie einiges an Asphalt und Schotter.

Durch alten Buchenwald, der immer wieder den Blick auf das tiefer und tiefer liegende Maar freigibt, geht es bis zu einer schmalen Straße, die zum Maar hinunterführt. Neben der Straße führt ein Weg weiter nach oben. Hier halte ich mich dann hinter einer Infotafel links und gehe oberhalb der Lavakaul auf dem Maarrand entlang. Der Pfad wird immer schmaler und verengt sich bis auf den Grat des Kraterrandes.

Der Pfad nähert sich der Landesstraße 16, die nach Gillenfeld führt. Noch ein letzter Blick hinab auf das blau schimmernde Maar und dann geht es schräg rechts über die Straße, am letzten Baum der Reihe an der gegenüber liegenden Straßenseite gelange ich problemlos auf einen parallel verlaufenden Weg, von dem ich weit in die Vulkaneifel blicken kann. Auch der Vulkankegel Römerberg kommt in mein Blickfeld. Den Römerberg werde ich gleich an seinem Fuß umrunden. Aber zunächst gehe ich nach links und an der Infotafel zum Römerberg treffe ich wieder auf den Maare-Pfad, den ich aber bald zum zweiten mal verlasse, um eine schönere Strecke zu gehen.

Aber ein kurzes Stück geht es auf einer schmalen, kaum befahrenen Straße auf dem Maare-Pfad hinab ins Tal. Direkt hinter der Talsohle geht es vor dem Römerberg rechts ab in’s Tal des Erlenfloß, auch als die Macherbach bekannt. Nach der Umrundung des Römerbergs gelange ich zum Strohner Märchen, einem fast verlandeten Maar des Vulkansystems Pulvermaar – Römerberg – Strohner Märchen. Das Naturschutzgebiet erstreckt sich zwischen Gillenfeld und Strohn im Bereich der durch eine Vulkangruppe geformten Landschaft aus zwei Maaren und einem 65 Meter hohen Tuff- und Schlackenkegel, dem Römerberg.

Das Strohner Märchen auf dem Maare-Pfad

Das Strohner Märchen

Der Maare-Pfad blickt weit: Vom Strohner zum Immerather Maar

Fast 10m dicke Torfablagerungen eines noch intakten Moores bedecken den Kesselgrund des Strohner Maares. Rund 250 Pflanzenarten finden hier ihren Lebensraum, ein derartiger Pflanzenstandort ist einzigartig für das gesamte Rheinland. Als innerhalb eines Maarkessels gelegenes Hochmoor gehört es wie Mosbrucher Weiher, Dürres Maar und Mürmes zu einem in Mitteleuropa einzigartigen Naturphänomen.

Ich bin oft hier und kürzlich traf ich hier einen Bonner Biologen, der die Pflanzenarten im Maar im Auftrag der EU kartierte. Diese Kartierung erfolgt jährlich, um so die Entwicklung des seltenen Pflanzenbestandes im Blick zu haben.

Im Blick habe ich von hier oben auch die Weiten der Vulkaneifel. Die Sicht ist gut und so sehe ich vom Röckertsheckberg bis auf die Höhenzüge des Hunsrück auf der anderen Moselseite. Wie die Eifel ist auch der Hunsrück Teil des Rheinischen Schiefergebirges, gäbe es die Mosel nicht, bildeten beide ein einheitliches Mittelgebirge, vielleicht „de Eifelrück“? Im übrigen befinde ich mich nun wieder auf dem Maare-Pfad, der mich nun zum Immerather Maar führt.

Bald muss ich die B421 kreuzen, auf der reichlich Motorräder unterwegs sind. Automobile werden immer leiser, aber es scheint, als ob Motorbikes in Punkto Lautstärke wetteifern. Ob die im Pulk daherrasenden Motoradfreunde ahnen, dass sie den Lärm eines tieffliegenden Jagdflugzeuges verursachen? Nun gut, bald habe ich die Straße hinter mir und es geht hinunter in Immerather Risch, einem Trockenmaar, an dessen Hängen das Dörfchen Immerath liegt.

Der Maare-Pfad führt durch den Ort und wer jetzt schon einkehren will, kann das im Ort tun. Ich halte mich lieber am Ortsrand und verlasse den Maare-Pfad nun schon wieder nach rechts. Am Ende des Ortes werde ich wieder auf den Maare-Pfad treffen und in bis fast zum Schluss der Tour nicht mehr verlassen.

Wieder auf dem Maare-Pfad angekommen, geht es nach rechts den steilen Maarhang hinauf. Ist dieser Anstieg schon unter ‚Normalbedingungen‘ nicht ohne, so erschwert die üppig wuchernde Vegetation den Aufstieg heute. Die schlechte Pflege des Maare-Pfad fällt mir unterwegs immer wieder auf, bis hin zu wucherndem Dornengestrüpp, durch das ein Durchkommen nur mit der Zweckentfremdung des Wanderstocks als Machete möglich war. Naturbelassene Wanderwege schön und gut, aber das war des Guten dann doch zu viel.

Gut gepflegt hingegen ist die Immerather Streuobstkultur auf die ich nach dem Aufstieg stoße. Hier sind am Wegesrand alte heimische Obstsorten angepflanzt, die in der Reifezeit den einen oder anderen herzhaften Happen bieten können. Entlang dieser Streuobstkultur geht es nun auf dem Maare-Pfad weiter zum Immerather Maar.

Am Immerather Maar

Am Ende der Streuobstkultur hätte ich die Möglichkeit auf einer einfachen Bank hoch über dem Immerather Maar eine erste Rast mit tollem Ausblick einzulegen. Ich warte jedoch, bis ich am Immerather Maar an einem meiner Lieblingsplätze bin. Es geht zunächst vorbei an einigen Stationen des Parcours der Sinne Immerath, dem Barfußpfad und einem aus Hainbuchen angepflanzten Labyrinth, bevor es auf einem steilen Pfad hinab zum Maar geht.

Das Immerather Maar keinen oberirdischen Zufluss. Es speist sich allein aus Oberflächen- und Grundwasser des Kraters. Die Wassertiefe beträgt maximal 2,90 m, während die durchschnittliche Tiefe bei nur 1,50 m liegt. Es wurde um 1750 durch einen Maarbach abgelassen und trockengelegt und diente im Weiteren als Weide. Die Maarfläche war sogar parzelliert. Zwischen 1914 und 1918 verwilderte der Bach, es kam zu einem Aufstau und zur Ausbildung eines flachen Maares.

052-Immerather-Maar

Auf dem Maare-Pfad zur Immerather Mühle

Ich umrunde das Maar mit kleinen Abstechern in die Uferzone, bewundere die verschiedensten Wasser- und Sumpfpflanzen in der natürlichen Ufervegetation, begleitet von einem vielstimmigen Vogelkonzert. Den verwilderten Maarbach kreuze ich über eine Holzbrücke, bevor ich in das Tal unterhalb des Maarberges nach rechts abbiege. Ich folge nun dem Maare-Pfad entlang des Maarbach, vorbei am Maarbergswieschen bis fast zur Immerather Mühle. Bevor ich aber knapp vor der Mühle dem Maare-Pfad auf den Maarberg folge, mache ich doch einen Abstecher zur rund 300 m entfernten Mühle.

Weiter zur Strotzbüscher Mühle

Nach diesem Abstecher im Tal kann ich es nicht mehr vermeiden: Der Anstieg auf den Maarberg steht an, er gestaltet sich zu meiner Überraschung aber sehr moderat, so dass ich ohne größere Anstrengung auf die Höhe zwischen Immerath und Strotzbüsch gelange. Aber auch ein schärferer Anstieg hätte sich gelohnt bei den Ausblicken, die mich hier erwarten.

Bald ist der Ortsrand von Strotzbüsch erreicht und über eine Nebenstraße gelange ich an mein nächstes Ziel, die Üßbachhütte hoch über dem Siebenbachtal.

Von der Hütte führt ein steiler Pfad zur Strotzbüscher Thermalquelle. Es dauerte einige Zeit, bis man die Thermalquelle als solche erkannte, da der Austritt des Quellwassers im Bachlauf erfolgte und als Quelle nicht erkennbar war. Allerdings beobachteten Anwohner, dass der Üßbach an dieser Stelle auch bei tiefsten Minusgraden nicht zufror. Auch konnte man das Aufsteigen von Gasbläschen sehen. Das führte dazu, dass die Quelle in den 1930ger Jahren gefasst wurde. Die Quelle tritt mit einer konstanten Temperatur von 19° Celsius aus, das Wasser ist trinkbar und hat einen nur schwach sauren Geschmack.


Strotzbüscher Thermalquelle

Strotzbüscher Thermalquelle

Von der Thermalquelle geht es weiter zur Strotzbüscher Mühle, die derzeit einen leicht heruntergekommenen Eindruck macht, so dass ich mir Fotos dazu verkniff. Zudem ist das eigentlich idyllische Tal als Campingplatz genutzt. Zelte stehen auf dem ausgewiesenen Wanderweg, so dass ich froh bin, die Brücke über den Üßbach zu erreichen, die mich ans gegenüber liegende Ufer bringt, an dem ich mich aber zunächst durchs Dornengestrüpp schlagen muss.

Das eigentliche Ziel des Maare-Pfades, die Drei-Eichen-Hütte ist nun nicht mehr weit entfernt, aber ich habe geplant, an der Hütte vom Maare-Pfad auf den Erlebnisweg Achterhöhe zu wechseln und bis zum Wanderparkplatz Thonhütte weiter zu gehen. Es geht nun zunächst über einen schmalen und steilen Pfad aufwärts, bevor ich weiter oben auf breite Wege treffe, die mich zur Drei-Eichen-Hütte bringen.


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An der Drei-Eichen-Hütte endet der Maare-Pfad. Schade, wie ich finde, denn die wenigen Kilometer zum Aussichtspunkt lohnen auf jeden Fall. Von hier kann man auf direktem Weg zum Wanderparkplatz Thonhütte wandern oder — wer immer noch nicht genug hat — den ‚Umweg‘ über den Erlebnispfad mache, um einen Blick auf Dachshöhlen und Heideflächen zu werfen. Auch das lohnt!


Aussichtspunkt Achterhöhe

Aussichtspunkt Achterhöhe


Panorama des Siebenbachtal von der Achterhöhe

Mein Fazit zum Maare-Pfad

Ich kann die Bewertung der Seite des Eifelsteig, dass der »erste Tag vor Höhepunkten glüht« nicht teilen. Im Vergleich zur zweiten Etappe fällt die erste Etappe deutlich ab. Hätte ich nicht das große Glück gehabt, in der Glockengießerei Brockscheid einen Glockenguß erleben zu können, wäre der Abfall noch größer. Das liegt bei der ersten Etappe sicherlich am Abschnitt von Schalkenmehren nach Brockscheid mit viel Straße und Schotter und Verkehrslärm von der nahe vorbeiführenden Straße L 64.

Demgegenüber steht die zweite Etappe mit großen Strecken über unbefestigte Wege, fast keinem Straßenanteil und geringem Anteil an Schotter. Dazu das Pulvermaar, das Strohner Märchen und das Immerather Maar! Fantastisch. Ein Abstecher zur rustikalen Immerather Mühle, herrliche Vulkaneifel-Panoramen und der Blick vom Skywalk Achterhöhe und von der Üßbachhütte ins Siebenbachtal, einen Schluck saures Quellwasser an einer Thermalquelle. Was will man mehr!

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Kategorie Vulcano-Pfade, Vulkaneifel, Wandern

Als Westfale verschlug es Herbert Peck Anfang der 1980ger Jahre nach Koblenz und vor einigen Jahren dann monatsweise in die Vulkaneifel. Begeistert von der Landschaft und den vielfältigen Freizeitmöglichkeiten (Wandern, Biken, Fischen) , hat er sich vorgenommen, andere daran teilhaben zu lassen.