Ein Besuch im Edelstein-Museum Cochem

Wer an Edelsteine und Edelstein-Schleifereien in Deutschland, nein in ganz Europa denkt, dem kommt fast immer Idar-Oberstein als das Edelstein-Zentrum in dieser Region in den Sinn. Wenig bekannt ist, dass auch in unserer unmittelbaren Nähe — nämlich in der Vulkaneifel Edelsteine — gefunden und auch unweit der Vulkaneifel verarbeitet wurden.

In den Wasserschleifen an den Wasserläufen südlich der Mosel bearbeitete man seit Jahrhunderten Achate und Jaspise im Glattschliff auf vertikal rotierenden Schleifscheiben aus Sandstein. Später geschah dies ebenfalls meist in kleineren Schleifereien in den Städten, in denen man auf den oben erwähnten Sandsteinen — aber nun angetrieben von Elektromotoren — arbeitete.

Ein Besuch im Edelstein-Museum in Cochem an der Mosel mit seinen historischen Edelstein-Schleifereien sollte Mitarbeitern des Feriendorfs und einigen Gesundland-Gästeführern dieses vergangene Geschehen nahe bringen. Der Inhaber des Feriendorf Pulvermaar, Dr. Frank Fetten, hatte den Besuch organisiert. Als Dauergast des Feriendorfs war auch ich zum Mitkommen eingeladen. Danke sehr dafür!

Nach der freundlichen Begrüßung durch Frau Leuchs und Herr Nehren vom Edelstein-Museum ging es auch gleich los. In der historischen Achatschleiferei machte uns Herr Nehren auf kurzweilige und kenntnisreiche Art vertraut mit der Geschichte des Schleifereihandwerks, das die Region an der Mittelmosel weltweit bekannt gemacht hat.

Am Anfang stand der Achat. Auch im Edelstein-Museum!

Begonnen hat alles mit dem Planschliff von Achaten, die sicher jeder von uns schon einmal gesehen hat und der uns in vielen Gebrauchsgegenständen wie Aschenbechern oder Briefbeschwerern begegnet. Und so begann auch unsere Führung in der historischen Achatschleiferei des Museums.

Herr Nehren erläuterte die Arbeitsgänge: Die Steine werden mit Kreissägen zertrennt, um einen glatten Schnitt zu erhalten, spannt der Edelsteinschleifer sie in eine Spannvorrichtung. Mit vertikal rotierenden Schleifscheiben aus Sandstein werden die Schnittflächen dann geschliffen und anschließend poliert.

Die großen Schleifböcke mit Durchmessern von einem Meter und einem Gewicht von einer halben Tonne werden genutzt, um an den Seitenflächen plan zu schleifen und an der Umfangsfläche können Cabochons geschliffen werden.

Cabochons sind Schliffe mit glatter Unterseite und der gewölbter Oberseite, die z. B. zu Ringen oder Anhängern weiter verarbeitet werde. Diese Schliffart eignet sich besonders für undurchsichtige bis durchscheinende Edelsteine – oft werden besondere optische Effekte wie ein Sternenglanz-Effekt hervorgezaubert.

Cabochons aus Tourmalinen

Cabochons aus Tourmalinen

Zurück zur Natur im Edelstein-Museum: Trommelsteine

Auch Trommelsteine sind glatt geschliffene Edelsteine, allerdings ahmt der Edelsteinschleifer hier die Natur nach. In einer mit Wasser und Schleifmittel gefüllten rotierenden Trommel schleifen sich die Steine wie Flusskiesel selbst. Anschließend wird das Schleifpulver durch Polierpulver ersetzt und die Trommelsteine so poliert.

Nun wird es facettenreich im Edelstein-Museum

In eine andere Schlifftechnik wurden wir Besucher in der historischen Facettiererei eingeweiht: Den Facettenschliff. Hier wird der Stein so geschliffen, dass viele kleine Oberflächen entstehen, die Licht reflektieren und brechen, so dass ein ganz besonders edel funkelnder Schmuckstein entsteht — so kennen wir Brillianten und Diamanten in ihrer typisch facettierten Form. Mit viel Mühe und Geschicklichkeit entsteht dank der Kunst der Edelsteinschleifer aus einem matten Rohstein ein wertvoller, funkelnder Schmuckstein.

Facetten werden auf horizontal rotierenden Schleifscheiben (wie z. B. Töpferscheiben) geschliffen. Je nach Härte des Steins kommen unterschiedliche Materialien zum Einsatz, Diamanten werden beispielsweise mit Diamanten geschliffen. Der Facettenschliff wird in den meisten Fällen bei durchsichtigen Edelsteinen angewendet, da diese eintretendes Licht reflektieren, brechen und aufspalten können.

Um immer den exakten Winkel zu treffen, werden Halterungen benutzt. Früher genügte den Edelsteinschleifern ein Holzsstift, an dessen Spitze der Stein angekittet wurde. Eine Lochplatte mit Löchern in unterschiedlichen Höhen diente als Anlage. Heute nutzt mann metallene Halterungen, mit denen der exakte Winkel fixiert wird.

Nach der Arbeit das Vergnügen

Nach getaner Arbeit in den historischen Schleifereien gibt’s den Augenschmaus in den Ausstellungsräumen des Edelstein-Museums in Cochem. Welche Vielfalt die Natur bietet und was geschickte Schleifer und Graveure aus Rohsteinen aus aller Welt herstellen, konnten wir in der Edelsteinausstellung staunend betrachten. Von A wie Achat über T wie Tourmalin bis Z wie Zoisit kann man dort das Edelsteinalphabet rauf und runter in sich aufsaugen. Eine große Sammlung an Mineralien und Fossilien, viele davon aus unserer Region, komplettiert die Ausstellung.


Im Edelstein-Museum werden Edelsteine, Mineralien und Fossilien aus der Region, aus Deutschland und der ganzen Welt ausgestellt. Hier erfahrt Ihr viel Wissenswertes über den Eifel-Vulkanismus, dem insbesondere die Osteifel ihre kostbaren Edelsteine zu verdanken hat und über die Edelsteinfunde im Hunsrück und in der Eifel.

Während der Hauptsaison finden mehrmals täglich fachkundige Führungen durch die Schleifereien statt; zusätzlich können für Gruppen (nach vorheriger Absprache) jederzeit außerplanmäßige Führungen gebucht werden. Hier findet Ihr Näheres …

Kategorie Journal, Mosel, Ziele

Als Westfale verschlug es Herbert Peck Anfang der 1980ger Jahre nach Koblenz und vor einigen Jahren dann monatsweise in die Vulkaneifel. Begeistert von der Landschaft und den vielfältigen Freizeitmöglichkeiten (Wandern, Biken, Fischen) , hat er sich vorgenommen, andere daran teilhaben zu lassen. Er ist zertifizierter Wanderführer im Deutschen Wanderverband (Wanderführer DWV) und führt Interessierte gerne über nicht so bekannte Pfade & Wege

2 Kommentare

  1. Lieber Herbert, danke für diesen wertvollen Hinweis. Ja, ich als Idar-Obersteiner (fast, bin dort aber zur Schule gegangen) habe natürlich I-O immer als den Nabel der Edelstein-Welt angesehen. Aber das Edelsteingeschäft hat nicht nur Wohlstand, sondern auch viel Elend über die Region gebracht. Schöner Artikel. Und da ich demnächst mal wieder das Enderttal bewandern will, schaffe ich es vielleicht auch noch am Ende der Wanderung das Museum in Cochem anzuschauen.

  2. Herbert Peck

    Danke, Hans-Joachim.

    Das kann ich mir vorstellen, auch bei diesem Besuch wurde geschildert, a) wie hart das Brot war, das die Schleifer in den Wassermühlen in den engen Bachtälern essen mussten und b) wie das gesamte Gewerbe während und nach 1914 und dem Beginn des Weltenbrandes zusammenbrach und viele Schleife brotlos wurden.

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