Mückeln, das Sammetbachtal und das Immerather Maar

Mückeln

Mückeln ist einer der weniger im Fokus stehenden Orte in der Ferienregion Pulvermaar. Zu Unrecht, wie ich auf dieser Wanderung durch die Mühlentäler rund um das Pulvermaar feststellen muss. Hier nun der zweite Teil meines Berichtes über diese Tour: Die Strecke von Mückeln zurück zum Immerather Maar.

Mückeln – Ein hübsches Örtchen mit Atmosphäre

Beim Korbmachermeister Wolfgang Gladziewski

Eines der Glanzpunkte bei einer Wanderung durch Mückeln ist sicher die Flechtwerkstätte des Korbmachermeisters Wolfgang Gladziewski. Bei Interesse am Handwerk des Korbmachers und mit etwas Glück gewinnt der Besucher einen tiefen Einblick in diesen Beruf. Ich war am Vortag der Wanderung dort und konnte ein kurzweiliges und auch tiefgründiges Gespräch mit Wolfgang Gladziewski führen.

Ich kam, wie vermutlich viele andere auch, mit der romantischen Vorstellung eines «aussterbenden Handwerks» oder «Einer der letzten seiner Zunft» in die Werkstatt, war aber schnell eines besseren belehrt.

»Es gibt rund 400 Korbmacherbetriebe in Deutschland«, erfuhr ich gleich zu Beginn des Besuches. Und es entstehen auch heute noch neue. In den letzten Jahren hat Wolfgang Gladziewski zwei junge Damen zu Korbmacherinnen ausgebildet, die heute eigene Betriebe führen, und eine in das Handwerk eingeführt. Der Korbmachermeister verficht die «Entromantisierung» dieses Handwerks. »Es ist ein Brotberuf wie jedes andere Handwerk«, meint er. Er selbst führt den Betrieb nach betriebswirtschaftlichen Grundsätzen, bezieht seine Rohstoffe aus Spanien und fertigt weitgehend standardisiert. Aber: »Wenn die Kundin sympathisch ist, macht der Korbmacher auch mal ’ne Ausnahme, was Sonderanfertigungen betrifft«, heißt es auf seiner Facebookseite.

Ernsthaft interessierten Besuchern, bei denen auch die Chemie stimmt, gibt Wolfgang Gladziewski gerne Einblick in sein Handwerk und zeigt an einem kleinen Demonstrationsfeld auch, wie die Korbweiden heute agrarisch angebaut werden, um eine mechanisierte Ernte zu ermöglichkeiten. Von der Landwirtschaft versteht er sowieso viel, hat er doch die Agrarwissenschaften studiert.

Im «Museum zum alten Eisen» in Mückeln

Wer möchte einmal mehrere Hundert Bügeleisen aus vielen Jahrhunderten und verschiedenster Machart — darunter ein «Fußbügeleisen» aus Afganistan — sehen? Dem empfehle ich einen Besuch im «Museum zum alten Eisen» in Mückeln. Aber nicht nur Bügeleisen, sondern allerlei Kuriositäten aus den Haushalten ganz Europas hat Karl Heinz Rauen in seinem Museum zusammengetragen. Wer mehr wissen möcht: Hier die Facebookseite des Museums.

Der «Schafbaum» in Mückeln

Am Ortsausgang von Mückeln komme ich am «Schafbaum» vorbei. Besser an dem, was heute vom Schafsbaum noch zu sehen ist. Der Baum — eine Jahrhunderte alte Buche — fiel in den 1990ger Jahren einem Blizschlag zum Opfer, der den Baum im Kern entzündete. Der unentdeckte Brand führte schließlich zum Umbruch des Baumes. »Mit einem lauten Knall«, wie mir der Ortsbürgermeister von Mückeln, Erwin Steffes, berichtet. Heute sieht man dort noch den innen verkohlten Stumpf und einen Teil des innen verkohlten Stammes. Anstelle der umgestürzten Buche steht dort heute eine aus dem Samen des alten Baumes gezogen junge Buche.


Der «Schafbaum»
„Schafbaum“ im Volksmund auch „Eckernboom“ genannt im „Kierweg“ von Mückeln. Diese ca. 300 Jahre (Keimjahr ca. 1700) alte Rotbuche (Fagus sylvatica) unweit vom „Brandenbüsch“ wurde am 20.06.1981 unter Schutz gestellt. In unmittelbarer Nachbarschaft stand nach mündlicher Überlieferung auch eine Eiche. Zwischen Eiche und Buche befand sich ein Bildstock dessen Fundament auch heute noch vorhanden ist. Die Eiche war genauso wie der Bildstock schon vor langer Zeit verschwunden, der „Schafbaum“ wurde 1990 wohl durch einen Blitzeinschlag zerstört. Quelle

Ins Tal des Sammetbach zum Diefelder Wehr

Alleebäume säumen den Abschied aus Mückeln, über den «Brandenbüsch» geht es hinaus aus dem Ort und hinunter ins Tal des Sammetbach. Nach dem Üßbachtal und dem Alfbachtal das dritte Mühlental auf meiner Wanderung.

Nach steilem Abstieg zum Sammetbach erreiche ich die Brücke über den Sammetbach am Dierfelder Wehr. Das Wehr wurde vor mehr als 100 Jahren im Lauf des Sammetbaches angelegt und staute diesen auf. Durch Eisenrohre wurde das Wasser über etwa 650 m in ein Turbinenhaus geleitet und so zur Stromerzeugung genutzt. Durch Frosteinwirkung wurde die Rohrleitung immer wieder beschädigt, so dass man 1930 auf eine erneute Instandsetzung verzichtete.

Der Sammetbach führt derzeit so wenig Wasser, dass es einer Brücke nicht bedürfte. Es wird Zeit, dass Regen fällt, denke ich. Nur heute muss es nicht sein. Der Weg durchs Sammetbachtal ist eine Strecke, die ich häufiger und zu den verschiedensten Jahreszeiten immer wieder gehe. Vor einigen Tagen ich dort eine Begegnung der besonderen Art. Kommt mir doch auf dem Weg gemächlichen Schrittes eine Landschildkröte entgegen. Für ein gelungenes Portrait posieren wollte sie nicht, auch mit einem Stück Banane war sie nicht zu überreden.

Die Holzmühle am Sammetbach

Fast am Ende des Sammetbachtales und kurz vor dem Holzmaar komme ich an der alten Holzmühle am Sammetbach entlang, die heute leider dem Verfall preisgegeben ist. Einige Quellen beschreiben, dass die Holzmühle Namensgeber für das Holzmaar ist, andere meinen, es wäre genau umgekehrt.


Die Gillenfelder Mühle lag im Ausland
Die Holzmühle, die auf Eckfelder Gemarkung liegt, war ehemals die Gillenfelder Mühle. Die Holzmühle war eine Mahlmühle und wird erstmals 1533 bei der Verpachtung durch Graf Dietrich IV. von Manderscheid an Johann Sunne – als Gillenfelder Mühle erwähnt. Später waren die Gillenfelder auch auf diese Mühle «gebannt», das heißt sie waren Verpflichtet, ihr Getreide dort mahlen zu lassen. Die erste Mühle stand wohl auf der gegenüberliegenden Bachseite und damit auf Gillenfelder «Bann». Das Mühlrad trieb der Sammetbach, der durch das Holzmaar fließt. 1738 brannte die Mühle ab, ebenso 1762. 1740 hat die Gemeinde Gillenfeld die Mühle gepachtet und durch einen Müller betreiben lassen. Der Mühlenbetrieb wurde 1965 eingestellt. Quelle

Kurze Zeit später erreiche ich das Holzmaar, umrunde es zu etwa einem Drittel und gehe dann entlang der Bubenlay nach Gillenfeld. Gillenfeld selbst ist mit seinen zwei Maaren — dem Holzmaar und dem Pulvermaar — und als größte Gemeinde sicher das «Zentrum» der Ferienregion Pulvermaar. Hier mache ich noch einmal eine Rast. Die Bachtäler mit ihren Mühlen liegen hinter mir. Was bleibt ist der Weg durch die Laubach am Pulvermaar vorbei und über den Röckersheckberg zurück zum Immerather Maar zu gehen.


Die Tour mit den Sehenswürdigeiten

Kategorie Wandern, Wanderwege, Ziele

Als Westfale verschlug es Herbert Peck Anfang der 1980ger Jahre nach Koblenz und vor einigen Jahren dann monatsweise in die Vulkaneifel. Begeistert von der Landschaft und den vielfältigen Freizeitmöglichkeiten (Wandern, Biken, Fischen) , hat er sich vorgenommen, andere daran teilhaben zu lassen.