Slow-Trekking mit Eselin Martina, Konstantin und Martin

Slow-Trekking mit Eselin Martina. Martin leistet Überzeugungsarbeit: „Doch Martina, wir sind richtig abgebogen!“

Slow Wandern oder ›Slow-Trekking‹ ist weit mehr als Wandern. Slow Wandern bedeutet achtsam Wandern. Sich Zeit nehmen für die schönen Dinge in der Natur und die Schatzkammer der Natur öffnen.

Lass mich langsamer gehen, Herr,
entlaste das eilige Schlagen meines Herzens
durch das Stillwerden meiner Seele.

Lass meine hastigen Schritte stetiger werden
mit dem Blick auf die ewige Zeit der Ewigkeit.
Gib mir inmitten der Verwirrung des Tages
die Ruhe der ewigen Berge.


Diese wenigen Zeilen eines alten afrikanischen Gebetstextes beschreiben in beeindruckender Weise das Wesen des achtsamen Wanderns, neudeutsch eben ›Slow-Trekking‹.

Wer mich kennt und mein Blog öfter liest, weiß, dass ich Wandermarathons oder 24/48/64/ …. -Stunden Wanderungen eher skeptisch gegenüber stehe. Wandern ist für mich »Nicht einfach nur drauflos wandern« sondern auch Respekt vor der Natur als meinem Gastgeber, der man als Gast die dem Gastgeber gebührende Achtsamkeit und Aufmerksamkeit entgegenbringen sollte.

Nun also ›Slow-Trekking‹ mit Eseln, mal etwas ganz Neues. Angefangen hat alles damit, als mein Freund Konstantin mir erzählte, dass er und sein Freund Martin eine Wanderung mit einem Esel planten, die streckenweise durch die Vulkaneifel führen sollte. »Du kennst dich doch gut aus in der Gegend, kannst du uns nicht eine Route vorschlagen?«, fragte er mich. »Du musst wissen, Esel gehen nur widerwillig oder gar nicht über schmale Holzbrücken oder durch Bäche und Flüsse.« Konkret sollte es um eine Strecke von Lutzerath zum Kloster Himmerod gehen.

Natürlich bin ich dazu gerne bereit und aus dem ›Eine Route finden‹ wird schnell ein ›Mitwandern auf 2 Etappen‹, zumal das Feriendorf als Etappenziel in Frage kommt. Einige Stunden Erkundung und bald sind zwei Etappen von Lutzerath über das Pulvermaar nach Hasborn geplant und wenige Tage später stoße ich in Lutzerath zum „Dreierteam„: Eselin Martina, Konstantin und Martin.

Ein Apfel als Bestechungsgeld für Martina, damit sie mich in der Herde akzeptiert und schon geht es los. Vorbei an der Achterhöhe ins Üssbachtal und am Immerather Maar vorbei zum Strohner Märchen, dem Pulvermaar und ins Feriendorf, wo wir erwartungsgemäß etwas Aufsehen erregen. Schnell ist ein Platz für Martina und eine große Portion frischen Heus gefunden.

Slow-Trekking – Mal entspannt wandern?

Von vorherein wird klar: Den Rhythmus der Wanderung wird Martina vorgeben. An (fast) jeder Abzweigung bleibt sie stehen. Ein innerer Kompass scheint ihr zu sagen, dass die neue Richtung nur falsch sein kann. Immer wieder ist Überzeugungsarbeit angesagt. Aber es geht eigentlich sehr problemlos und bald bin ich dem Charme Martinas erlegen, die uns immer wieder zum Innehalten „animiert“. Passt man sich diesem Rhythmus an, ist es ein wunderbar entspanntes Wandern.

Am folgenden Morgen geht es weiter, Martina wird bepackt und Helfer, die Martina mal kurz halten, finden sich sofort. Heute soll es durchs Tiefenbachtal entlang der Oberscheidweiler Mühle und durchs Sammetbachtal nach Hasborn gehen.

Auf jeden Fall geht es heute über den Sammetbach, der nur über zwei wacklige Holzbrücken gequert werden kann. Ein Problem, Martina wird diese nicht gehen. Ich hatte aber an einer der Holzbrücken eine Furt entdeckt, deren Wasserstand jahreszeitlich bedingt niedrig war. Da Martina im bisherigen Verlauf die Scheu vor schmalren Gewässern verloren hatte, waren Konstantin und Martin zuversichtlich, dass es gehen würde.

Und so war es, die Furt wurde problemlos gemeistert und am Hasborner Sauerbrunnen vorbei ging es talaufwärts. Auch ein kurzes Straßenstück stellte kein Hindernis dar, mit „Warnflagge“ gesichert wurde die viel befahrene L52 passiert und es ging nun — für mein Gefühl leider — auf kürzestem Weg nach Hasborn.

Slow-Trekking mit Esel – Mal anders wandern

Es fällt nicht leicht, ein Fazit zu ziehen: Ist Slow-Trekking mit Eseln entschleunigteres Wandern als mein bisheriges Slow-Wandern ohne Esel? Ich glaube nicht unbedingt. Es ist einfach ein anderes Wandern, die Entschleunigung wird durch den vierbeinigen Begleiter vorgegeben, die Beschleunigung aber auch. Die Aufmerksamkeit gilt oft mehr dem vierbeinigen Begleiter als der Umgebung, hier muss jeder für sich die Balance finden und sich auf beides einlassen . Sonst betören einen die schönen Augen von Martina mehr als das schönste Bachtal.

Man muss Abstriche bei der Routenführung hinnehmen. Die prädistinierte Route von Lutzerath nach Himmerod wäre natürlich über den Lieserpfad verlaufen. Der war mit Martina nicht zu gehen, also muss eine andere Streckenführung her. Es ist auf jeden Fall Geduld gefragt. Von allen, von Mensch und Esel. Ist einer der Teilnehmer ungeduldig, kann sich der Anspruch ›Achtsames Wandern‹ schnell ins nichts auflösen. Es ist aber auf jeden Fall ein Erlebnis und ich bin sicher, nicht zum letzten Mal eine solche Tour unternommen zu haben.

Kategorie Vulkaneifel, Vulkaneifel-Pfad, Wandern

Als Westfale verschlug es Herbert Peck Anfang der 1980ger Jahre nach Koblenz und vor einigen Jahren dann monatsweise in die Vulkaneifel. Begeistert von der Landschaft und den vielfältigen Freizeitmöglichkeiten (Wandern, Biken, Fischen) , hat er sich vorgenommen, andere daran teilhaben zu lassen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.