Wanderung vom Pulvermaar nach Schutzalf

Es ist 32°C heiß und in den Straßen von Koblenz brütet eine schwüle Hitze. In meiner Koblenzer Wohnung ist es schön kühl, und so beschließe ich heute die Fotos meiner letzten Wanderung in der FerienRegion Pulvermaar zu sichten, aufzuarbeiten und die Geschichten dazu aufzuschreiben. Hier ist das Ergebnis.

Gewandert war ich am Himmelfahrtstag vom Pulvermaar nach Schutzalf, also ausnahmsweise eine Streckenwanderung. Warum? Dazu mehr am Schluss des Berichtes.

Vom Pulvermaar durch die Laubach zum Naturschutzgebiet Holzmaar

 

Los geht’s zu früher Stunde am Feriendorf Pulvermaar. Die Sonne ist gerade aufgegangen, noch hängt der Dunst über der Vulkaneifel. Die Wohnmobilisten auf dem Wohnmobilhafen des Feriendorfs sind offensichtlich Langschläfer. So entgeht ihnen das stimmungsvolle Bild des hinter blühenden Lupinen liegenden dunstverhangenen Winkeler Trockenmaares. Wie dem auch sei. Am neu entstehenden Holliday Park geht es zum Pulvermaar, an dem das Eifelgold in voller Blüte steht.

Das Pulvermaar liegt noch ruhig vor mir. Stunden später wird bei herrlichem Wetter dort ein reges Treiben herrschen und ganz mutige werden ein erstes Bad nehmen. Ich lasse das Pulvermaar hinter mir, gehe am Maarhof vorbei in die Laubach , ein Tal in Verlängerung des Winkeler Maares, das die Gemarkungen Gillenfeld und Winkel / Saxler trennt. Ich steige hoch zur «Kante» auf der entlang ich in Richting Gillenfeld und dort am westlichen Ortsrand vorbei gehe. Es ist ein hübsches Neubaugebiet und netterweise mähen alle Anwohner die Ränder ihrer Grundstücke mit. Es entsteht so ein gut begehbarer Wiesenweg ins Alfachtal zwischen Gillenfeld und Saxler.


An Streuobstwiesen vorbei steige ich nun talauswärts in Richtung Holzmaar/Dürres Maar auf. Wolkenfelder ziehen durch und ich erinnere, keine Regenjacke eingepackt zu haben. Aber es geht gut und trockenen Hauptes erreiche ich die Schutzhütte am Dürre Maar, die mittlerweile aber schon wieder als Sonneschutz herhalten kann. Das Wollgras im Hochmoorhabitat Dürre Maar blüht noch, obwohl die Blütezeit dem Ende zugeht. Dafür werden bald andere selten Pflanzen, wie z. B. das Sonnentau das verlandete Maar zieren.

Vom «Dürre Maar» in’s Sammetbachtal

Das Dürre Maar ist kein wassergefüllter (also „dürrer“) Kessel, wie das benachbarte Holzmaar, sondern eine Übergangsform vom Flach- zum Hochmoor und ist mit Sphagnum- und Braunmoostorfen gefüllt. Die Torfschicht ist etwa 12 m stark. An seinem nordöstlichen Ende befinden sich Quellen, so dass das Moor nicht nur durch Niederschläge gespeist wird.

Vom Dürre Maar aus kann ich nun dem Märchen Naturwaldpfad folgen, an manche Stationen des Pfades kann man kleine Geschichten und Mythen nacherleben und an schönen Ruheplätzen einfach die Seele baumeln lassen.

Es geht am Hetsche Maar — dem kleinsten Maar der Eifel — entlang. Auch das Hetsche Maar ist verlandet und nur Dank guter Pflege der umgebenden Wiesen noch als solches erkennbar. Auf meinem Weg komme später ich an zwei eng umschlungenen Buchen vorbei, an denen folgende anrührende Sage zum Nachlesen ausliegt.

Die zwei alten Buchen
(nach einem keltischen Märchen)

Lange vor unserer Zeit lebten ein Mann und seine Frau an Rande des keltischen Dorfes Udelar. Ihre fruchtbaren Felder lagen, so wie heute, hier in der Nähe der Maare. Sie lebten von Ackerbau und Viehzucht und hatten sich einen bescheidenen Wohlstand mit ihrer Hände Fleiß erarbeitet. Sie hieß Hertrud, er Godwill.

Nun war die Zeit der Getreideernte gekommen. Die Bauern mussten damals noch nach der Mahd in mühsamer Arbeit das Korn mit dem Flegel aus den Ähren dreschen. Sie arbeiteten von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. [weiterlesen auf Määrchen Naturwaldpfad]

Ein im Hang liegenden Platz lädt mich zum zum Verweilen und Lauschen ein.

Nach dieser besinnlichen Pause geht weiter über verschlungene Pfade mit wundersamen Brücken und vielen weiter Hinsehpunkten, bevor ich dann am Holzmaar eintreffe.

Am Holzmaar vorbei geht es nun ins Sammetbachtal , einen Weg den ich häufiger und zu den verschiedensten Jahreszeiten immer wieder gehe. Heute habe ich dort eine Begegnung der besonderen Art. Kommt mir auf dem Weg gemächlichen Schrittes eine Landschildkröte entgegen. Für ein gelungenes Portrait posieren wollte sie nicht, auch mit einem Stück Banane war sie nicht zu überreden.

Vom Diefelder Wehr über Mückeln nach Schutzalf

Hinter der Schutzhütte am Sammetbach gelange ich nun schon in die Mückelner Gemarkung mit einem ersten Highlight. Nach steilem Abstieg zum Sammetbach erreiche ich das Dierfelder Wehr. Das Wehr wurde vor mehr als 100 Jahren im Lauf des Sammetbaches angelegt und staute diesen auf. Durch Eisenrohre wurde das Wasser über etwa 650 m in ein Turbinenhaus geleitet und so zur Stromerzeugung genutzt. Durch Frosteinwirkung wurde die Rohrleitung immer wieder beschädigt, so dass man 1930 auf eine erneute Instandsetzung verzichtete.

So steil wie es hinabgeht, geht es auch wieder hinauf. Nur, das noch ein paar Höhenmeter dazu kommen, weil ich nun auf den Brandenbüsch hinauf muss, die Höhe über Mückeln und mit einem Windrad geziert. Mit 430 m über NN gehört der Punkt neben dem Startpunkt am Pulvermaar zu den höchsten Erhebungen der Tour.

Ich komme auf dem weiteren Weg am Schafsbaum vorbei, gehe ein Stück einer schattigen Allee und biege am Mückelner Sportplatz ab und gehe hinunter zum Klosterweiher. Der vermutlich zur Mitte des 16. Jahrhunderts entstandene Weiher wurde in den Jahren 1812/13 von den französischen Soldaten Napoleons zerstört. Im Jahre 1985 wurde die bis dahin verödete Fläche zu einem Feuchtbiotop mit einer Wasserfläche von ca. 0,8 ha umgewandelt. Der Weiher ist heute mit Seerosenfelden bedeckt und von Schilf und Wasserlilien umsäumt. Leider benötigten die Seerosen noch einige wenige Tage sonne zur vollen Blüte. Wenn Ihr das lest, wird es soweit sein. 🙂

Ein Umrundung des Mühlenweihers und eine beschauliche Rast dort musste natürlich sein, bevor ich mich auf die 500m Weg nach Schutzalf machte.

Mückeln inside

In Schutzalf hatte ich mich mit Erwin Steffes, dem Ortsbürgermeister von Mückeln verabredet. Erwin ist sehr ambitioniert, die Historie der kleinen Gemeind lebendig zu halten. Von ihm versprach ich mir auch einige Geschichten und Anektoden rund um das Dorf. Außerdem wollte er mich noch zu einigen Orten führen, die man auf den Wanderungen auf den Rundwegen eher nicht mitbekommt. Ich füge hier nur einige Fotos und Hinweise ein, eine vollständige Würdigung der Sehenswürdigkeiten wird in Kürze auf der Website der FerienRegion Pulvermaar erscheinen.


Zu den Bildern:

  • Die mehr als 300 Jahre alte „Kaisereiche“ in Mückeln. Sie steht unmittelbar an der Grenze der Kreise Vulkaneifel und Bernkastel-Wittlich. Stammumfang 3,1 m. Höhe 20 m Kronen-Durchmesser 16 m
  • Karl-Heinz Rauhen sammelt hier Geräte die bis zu 200 Jahre alt sind. Bügeleisen, Bügeleisenöfen, Waffeleisen, Haushaltsgeräte, Butterfäser, Wäschemangel, Volksempfänger, Radio und vieles mehr. In diesem Museum werden Sie in einen Zeitraum zurückversetzt wie Eltern, Großeltern und Urgroßeltern gelebt haben.
  • Mariengrotte: An dieser Stelle befand sich 1944 eine deutsche Flakstellung, Der damalige Pfarrer überredete die deutschen Soldaten zur Aufgabe, Son entging Mückeln der Zerstörung.Zum Gedenken an diese Begebenheit wurde an dieser Stelle eine Grotte errichtet.
  • In Mückeln geht ein Korbmacher diesem alten Handwerk nach.

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Kategorie Featured, Maare, Pfade, Ziele

Als Westfale verschlug es Herbert Peck Anfang der 1980ger Jahre nach Koblenz und vor einigen Jahren dann monatsweise in die Vulkaneifel. Begeistert von der Landschaft und den vielfältigen Freizeitmöglichkeiten (Wandern, Biken, Fischen) , hat er sich vorgenommen, andere daran teilhaben zu lassen. Er ist zertifizierter Wanderführer im Deutschen Wanderverband (Wanderführer DWV) und führt Interessierte gerne über nicht so bekannte Pfade & Wege

1 Kommentare

  1. Christian Grusdt

    Danke für diesen wunderbaren Bericht! Er hat mich dazu angeregt, bald schon von Gillenfeld aus eine ähnliche Wanderung zu starten.

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