Vulkaneifel-Muße-Pfade – Auf dem Vulkan wandern

Vulkaneifel-Pfade

In 2016 werden in der Vulkaneifel gleich acht der Vulkaneifel-Pfade zu Geschichtenerzählern: Es sind die im Werden begriffenen Vulkaneifel-Muße-Pfade, die — so das Magazin Wanderland der Eifel Tourismus GmbH prosaisch — „mit dem Vulkan tanzen“.

Wie fast keine andere Landschaft trägt die Vulkaneifel ihre von Feuer und Wasser geprägte Geschichte zur Schau, denn keine andere Region in Deutschland wurde so stark durch den Vulkanismus geprägt wie die Vulkaneifel. Aber das erschließt sich nicht jedem Besucher auf den ersten Blick und da spreche ich aus eigener Erfahrung.

Eine Region für Entdecker

Aus beruflichen Gründen hatte es mich vor Jahren nach Koblenz verschlagen und als ich vor rund 10 Jahren zum ersten Mal die Vulkaneifel besuchte, hinterließ sie bei mir — einem „Sauerländer Jung“ — keinen nachhaltigen Eindruck. „Hömma“, dachte ich, „dat is getz wie bei uns innes Sauerland.“ Je mehr Zeit ich in der Vulkaneifel verbrachte — heute ist es ein großer Teil des Jahres — um so tiefer tauchte ich in diese märchenhafte Landschaft ein und entdeckte nach und nach die Geheimnisse und Mysterien der Vulkaneifel.

Die Vulkaneifel bietet mehr als ihre „Blauen Augen“

Wassergefüllte Maare — die „blauen Augen der Eifel“ — sind die bekanntesten Wahrzeichen der Vulkaneifellandschaft. Aber es sind beileibe nicht die Einzigen. Da wären die vielen Trockenmaare wie dasEllscheider Maar und das verwunschene Hitsche Maar. Oder das Strohner Märchen, ein innerhalb eines Maarkessels gelegenes Hochmoor.

Mai 2015 am Strohner Märchen

Am Strohner Märchen

Vulkanische Feuer glühen heute noch in der Eifeler Glockengießerei in Brockscheid, wo im Schmelzofen die Glockenbronze zum “Kochen” gebracht wird. Entlang der Lieser zieht sich das wunderschöne Liesertal mit den herrlichen Ausblicken auf die Manderscheider Burgen. Fast alpin mutet die Landschaft bei Oberscheidweiler und Hasborn mit den steil abfallenden bewaldeten Hängen an. Also: Es gibt viel zu entdecken!

Manderscheider-Burgen-3

Die Manderscheider Unterburg

Die Vulkaneifel-Muße-Pfade

Auf Eurer Entdeckerreise unterstützen Euch ab 2016 die Vulkaneifel-Muße-Pfade. Diese Schritt für Schritt entstehenden Premium-Wanderwege erzählen Geschichten von der aus dem Kampf der Elemente Feuer und Wasser geborenen Vulkaneifel und eröffnen den Blick für die Geheimnisse ihrer märchenhaften Schönheit. Sie nehmen Euch mit an Orte der Achtsamkeit, an denen Ihr die Natur unmittelbar fühlen, riechen und schmecken könnt. An Punkte der Aufmerksamkeit, an denen Ihr den Geschichten der Natur lauschen könnt und an Verweilplätze der Absichtslosigkeit, an denen Ihr einfach loslassen und die „Seele baumeln“ lassen könnt.

Der Vulcano-Pfad

Zu den Vulkaneifel-Pfaden, die mit Geschichten ausgestattet werden, gehört auch der Vulcano-Pfad. Der bestehende Wanderweg wird zu einem Vulkaneifel-Muße-Pfad, auf dem der Wanderer sich Zeit nehmen soll, um ganz bewusst den Weg, die Landschaft und alles um sich herum zu entdecken. Er kann die Hektik des Alltags hinter sich lassen und durch die erzählte Geschichte — der Inhalt ist noch so geheimnisvoll wie vieles in der Vulkaneifel — in eine andere Erlebenswelt eintauchen.

Vulcano-Plattform auf der Steineberger Ley

Vulcano-Plattform auf der Steineberger Ley

Der gut 26 km lange Vulcano-Pfad wurde durch eine ausgeschilderte Querspange in zwei etwa 17 km lange Kurzrouten gegliedert, die einzeln zu erwandern sind. Ich durfte kurz nach der Ausschilderung der Routen an einer ersten Erkundung durch die Natur- und Geopark Gästeführerin Irene Sartoris (auch Leiterin des Vulkanhauses in Strohn), dem Trailpark-Ranger und kommunalen Wegemanager Herbert Michels und dem Geopark-Gästeführer Dr. Frank Fetten (Prähistoriker und ausgewiesener Kenner der Geologie der Vulkaneifel) teilnehmen.

Ich bekam so einen Eindruck von dem, was die Muße-Pfade unter den Vulkaneifel-Pfaden ausmacht: Das Auffinden und Erspüren von besonderen Plätzen an denen die Seele ruht. Einen solchen Ort erreichen wir am Rastplatz Heidewies, unweit des NSG Geisert bei Demerath.

Welche Geschichten der Vulcano-Pfad zu erzählen weiß, erlebte ich am Demerather Drees, einem Sauerbrunnen, in Eifeler Mundart eben ein „Drees“. Trailpark-Ranger Herbert Michels — ein Demerather Jung — erzählt, wie er in seiner Kindheit von seiner Mutter mit einem Wasserkrug zum Drees geschickt wurde um Wasser zu holen. Das kohlensaure Wasser wurde von den Frauen des Dorfes als natürliches Treibmittel dem Brotteig zugesetzt. Backen auf natürliche Weise und ohne Chemie! Auch dieser Ort ein Ort der Aufmerksamkeit und Achtsamkeit. Absichtslos müsst Ihr hier nicht sein: Erfrischt Euch sich mit dem kohlensaurem stark eisenhaltigen Wasser und genießt den Wald und die Ruhe auf der bereitgestellten Sitzgruppe.

Ohne Achtsamkeit wird man diesen Ort leicht übersehen: Das Feuchtbiotop in einem stillgelegten Basaltbruch nahe der Vulcano-Plattform auf der Steineberger Ley, an dem sich Fischreiher, Molche und eine reichhaltige Flora beobachten lassen.

Aber auch andere Stationen der Vulcano-Muße-Pfade erfordern Achtsamkeit und Aufmerksamkeit, will man sie entdecken. Das gilt für die Hügelgräber auf der Steineberger Ley wie für die Reste des keltischen Ringwalls. Auch hier kommt Herbert Michels ins Erzählen:

»Als vor Jahrzehnten Waldarbeiter auf der Ley eine Eiche fällten, fanden sie in einem hohlen Baum das Skelett eines Menschen. Da erinnerten die Menschen hier an die Sage von der Schwedenschlacht auf der Steineberger Ley. Um 1644, gegen Ende des Dreißigjährigen Krieges, zog ein Schwedenheer raubend und plündernd durch das Maifeld.

Keltischer Ringwall auf dem Steineberg

Keltischer Ringwall auf dem Steineberg

Die Maifelder Bauern verfolgten die Zerstörer ihrer Heimat und griffen sie zur nächtlichen Zeit auf der Steineberger Ley an. Die schlecht bewaffneten Bauern wurden jedoch überwältigt, und der letzte von ihnen musste, eingezwängt und festgebunden in einen Baumspalt, „lange sterben“. Bis zur Jahrhundertwende wurde in der nahen Pfarrkirche in Mehren eine Jahresmesse gelesen „für die Erschlagenen zu Steineberg“.«

Beim Blick vom Sauberg auf das Ellscheider Trockenmaar fällt der Blick auf die weite Vulkaneifel-Landschaft. Der Mürmes , ein fast verlandetes Maar mit seiner moorigen Oberfläche fängt uns mit einer wundersamen Stimmung ein. Auch hier ist nicht auf den ersten Blick erkennbar, wie vielfältig Fauna und Flora in diesem unter Naturschutz stehendem Moorgebiet ist.

Das Naturschutzgebiet Geisert — eine von Borstgrasrasen durchsetzte wacholder­reiche Zwerg­strauch­heide — lädt uns mit nostalgisch verwitterten Wegweisern zum absichtslosen Verweilen ein.

Ausklingen lassen wir unsere Wanderung, indem wir uns zum Antonius mit den Schweinen setzen, dem Ortsheiligen von Ellscheid. Dort, wo wir unsere Reise zu den Quellen der Geschichten begannen. Antonius, als Sohn reicher Eltern geboren, wurde zum Einsiedler und gilt als Begründer des Mönchtums. Der Antoniterorden hielt bevorzugt Schweine. Als Entgeld für die Armenpflege durften die Schweine frei herum laufen. Die Schweine wurden am 17. Januar in der Kirche gesegnet, dann geschlachtet und das Fleisch an die Armen verteilt.

Der 'Heilige Antonius mit den Schweinen' in Ellscheid.

Der ‚Heilige Antonius mit den Schweinen‘ in Ellscheid.


Etwas ausführlichere Berichte über diese Erkundung der Kurzrouten kann man hier und hier nachlesen.

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